Artikel

Mehr Fällungen als Neupflanzungen

Dieser Beitrag wurde am 26. Oktober 2014 veröffentlicht und ist möglicherweise nicht mehr aktuell.

Im Winterhalbjahr ist in den Städten Fällsaison. Kranke, abgestorbene und nicht mehr verkehrssichere Bäume werden entnommen. Manche Städte und Gemeinden haben sich selbst per Baumschutzsatzung verpflichtet, für jeden gefällten Baum einen neuen nachzupflanzen. Doch die Bilanz sieht meist schlecht aus und der Baumbestand wird immer kleiner. Was sind die Gründe für das Defizit an Neupflanzungen?

Neupflanzungen kosten Geld, Zeit und Platz

Man kann hoffentlich davon ausgehen, dass wirklich nur Bäume gefällt werden, die nicht mehr erhaltenswert (weil zum Beispiel absterbend) oder nicht mehr verkehrssicher sind (zum Beispiel wegen einer großen Höhlung am Stamm). Meist führten dann schlechte Standortbedingungen wie ein zu kleines oder versiegeltes Baumquartier zum schlechten Zustand des Baumes. Eine Neupflanzung macht dann unter den gleichen Bedingungen natürlich keinen Sinn. Ein guter Baumstandort mit großem Wurzelraum, passendem Substrat und der richtigen Baumart kostet aber viel Geld, das den Kommunen meist fehlt bzw. für dessen Verwendungszweck (Baumpflanzung) das Bewusstsein fehlt. Manchmal mangelt es aber auch am Platz, nicht jede Straße ist auch für Bäume geeignet. Hinzu kommt, dass das interne Personal mit Fällungen, Winterdienst und anderen Aufgaben genug zu tun hat. Hier ist es aber sowieso besser, mit der Pflanzung eine Fachfirma zu beauftragen.

Eine optimale Baumpflanzung kostet zwar einmalig und in den ersten Standjahren viel Geld, ist aber letztendlich kostengünstiger, weil später weniger Pflege nötig ist und der Baum eine viel längere Lebenserwartung hat.

Baumfeindliche Richtlinie

Die „Richtlinie für passiven Schutz an Straßen durch Fahrzeug-Rückhaltesysteme“ (RPS 2009) ist höchst umstritten und sorgt für weniger Bäumen an den Straßen. Sie schreibt einen Mindestabstand von neugepflanzten Gehölzen von 7,50 Meter vor. Dort ist aber meist Privatgrund oder bebaut, so dass auf neue Bäume verzichtet werden muss. Obwohl diese Richtlinie zum Beispiel innerorts nicht gilt, wird auch dort oft von Pflanzungen abgesehen.

Eine richtige Neupflanzung ist besser als zehn Bäume am Ortsrand

Bilanz hin oder her, bevor zwanghaft Bäume in Ortsrandlage am Radweg oder auf einer Wiese gepflanzt werden, ist es besser, das Budget für eine fachgerechte und dafür teuere Neupflanzung im innerstädtischen Bereich zu verwenden. Gerade dort ist eine Begrünung wichtig und erfüllt zahlreiche Funktionen. Eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit sorgt bei den Bürgerinnen und Bürgern für Verständnis.

Was sind die Gründe für zu wenige neue Bäume in unseren Städten? Schreiben Sie Ihre Meinung als Kommentar unter diesem Beitrag.