Baumkataster

Baumkataster im Test

Dieser Beitrag wurde am 23. März 2016 veröffentlicht und ist möglicherweise nicht mehr aktuell.

Studenten des Fachbereichs Landschaftsbau und Grünflächenmanagement der Hochschule Ostwestfalen-Lippe haben für eine Projektarbeit das Baumkataster 2 getestet. Nachfolgend der Auszug aus der Arbeit.
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Software Vergleich zur Erstellung eines Baumkatasters
an ausgewählten Beispielen des Botanischen Garten Höxters

Grundlagen

Karten Grundlage

Zur Erstellung eines Baumkatasters mit Baumkataster 2 gibt es verschiedene Möglichkeiten eine Kartengrundlage zu erstellen. Die einfachste und effektivste Lösung ist die Einbindung einer Live-Karte, beispielsweise aus GoogleMaps oder Bing. Eine weitere Möglichkeit ist die Einbindung einer sogenannten Vektor-Datei. Gängige Beispiele sind DXF‘s oder DWG‘s. Die letzte Möglichkeit zur Erstellung einer Kartengrundlage ist die Einbindung einer Raster-Datei wie beispielsweise JPEG’S, PNG’s oder PDF’s.

Grundlagen für Schäden und Maßnahmen

Schäden, die bei der Erstellung eines Baumes bzw. eines Baumkatasters angegeben werden, liegen der aktuellen FLL-Richtlinie „Richtlinie zur Überprüfung der Verkehrssicherheit von Bäumen“ zu Grunde und sind bereits im Programm hinterlegt. Die Schäden werden in 4 Gruppen unterteilt: Schäden in der Krone, Schäden am Stamm, Schäden am Stammfuß bzw. im Wurzelbereich und Veränderungen im Bauumfeld. Die Maßnahmen zur Beseitigung der Schäden richten sich nach der aktuellen ZTV Baumpflege und sind ebenfalls im Programm hinterlegt und können mit Dringlichkeit
und ausführender Firma versehen werden.
Im Baumkataster 2 sind bereits alle gängigen Baumarten in Gattung und Art hinterlegt. Insgesamt umfasst das Verzeichnis 200 Bäume. Zusätzliche Sorten oder nicht hinterlegte Bäume können einfach über eine Attributtabelle hinzugefügt werden und werden für zukünftige Projekte gespeichert.

Arbeitsweise und Aufbau des Programms

Das Baumkataster 2 ist für den Anwender sehr einfach und strukturiert aufgebaut. Wie aus vielen CAD Programmen bekannt, arbeitet das Baumkataster 2 mit bereits voreingestellten Layern. 3 Layergruppen mit Layeruntergruppen sind bereits hinterlegt. Die Layergruppen lauten Bäume, mit den Untergruppen erfasste Bäume, kontrollierte Bäume oder Maßnahmen vergessen; Waldartiger Bestand und Kartengrundlage. Zur Anlegung eines Baumes muss der Layer Bäume aktiv sein. Wird ein Baum auf der Karte angelegt, öffnet sich ein Fenster in dem die Daten für en Baum eingetragen werden. Das Fenster ist in die Registerkarten Grunddaten, Baumkontrolle und Maßnahmen unterteilt, die fortfolgend näher erläutert werden.

Grunddaten

In dem Register Grunddaten werden unter anderem die Baumnummer, die Straße, der Ort, die Grünfläche und die Baumart. Bei allen folgenden Bäumen müssen die Angaben zum Ort nicht mehr manuell eingegeben werden, da diese Daten vom Programm gespeichert werden. Angaben zur Baumhöhe, Kronenbreite, Stammdurchmesser, Stammumfang oder Stammanzahl werden ebenfalls in dieser Registerkarte hinterlegt. Weitere wichtige Information wie Vitalität, Zustand und Entwicklungsphase des Baumen können über ein Dropdown-Menü ausgewählt werden. Handelt es sich bei dem Baum um ein Naturdenkmal oder ein Habitatbaum kann dies durch Ankreuzen kenntlich gemacht werden. Zur Veranschaulichung kann ein Bild hinterlegt werden.

Baumkontrolle

Wie bereits anfangs erläutert werden in der Registerkarte Baumkontrolle alle Schäden des Baumes nach der FLL Richtlinie erfasst. Die Schäden unterteilen sich in die 4 genannten Gruppen. Zu jeder Gruppe können mehrere Teilschäden hinterlegt werden. Im Bereich Kronenschäden können dies zum Beispiel K1 Astab- bzw. Ausbrüche, K13 Totholz oder K9 Kronensicherung sein. Zu den Schäden am Stamm zählen unteranderem S1 Anfahrschäden, S4 Fäule oder S9 Risse. Weitere Schadstellen eines Baumes sind der Stammfuß oder die Wurzel, Schäden des Bodens oder Schäden durch das Bauumfeld wie zum Beispiel die Bodenversiegelung oder Bodenverdichtung. Grundsätzlich sind alle Schäden nach FLL aufgelistet.

Maßnahmen

Zur Beseitigung der vorher hinterlegten Schäden können im Baumkataster 2 Maßnahmen hinterlegt werden. Die Maßnahmen richten sind hauptsächlich nach der ZTV Baumpflege und enthalten sämtliche Leistungen der Baumpflege. Insgesamt können bis zu 5 Maßnahmen mit ihrer Dringlichkeit, Datum der Ausführung und Name der ausführenden Firma aufgelistet
werden. Möglich Maßnahmen können sein: Totholzbeseitigung, Kronenauslichtung, Bodenlockerung, oder Lichtraumprofilschnitt. Die Dringlichkeit kann in folgende Stufen eingeteilt werden: hoch, niedrig, normal, optional und sofort. Zusätzlich können zu jeder Maßnahme frei definierbare Bemerkungen hinzugefügt werden.

Abfrage von Daten und Bäumen

Über eine sogenannte Abfrageerstellung kann schnell und einfach eine Sortierung mit entsprechender Darstellung der Bäume erfolgen. Sollen beispielsweise alle Bergahörner angezeigt werden, wird im Kontexmenü des Layers die Option Filter ausgewählt. Im sich öffnenden Fenster werden dieselben Parameter angezeigt, wie sie aus der Erstellung eines Baumes bekannt sind. Der Befehl lautet wie folgt: „baumart“ = ‚Acer pseudoplatanus (Berg-Ahorn)‘. Mit OK wird die Funktion bestätigt und das Programm zeigt nun alle Bäume, die als Bergahorn eingegeben sind, in der Karte an. Über diese Art und Weise können sämtliche Parameter gefiltert werden, auch die Sortierung nach Schäden oder Maßnahmen.

Ausgabe der Daten – Druckzusammenstellungen

Neben der reinen Erstellung eines Baumkatasters können mit Hilfe des Baumkatasters 2 auch sogenannte Druckzusammenstellungen erstellt werden. Dabei entscheidet alleine der Bearbeiter was und wie etwas gedruckt werden soll. Der Bearbeiter kann individuell Informationen zusammenstellen. Die Informationen werden wieder über die aus dem Baumkataster bekannten Parameter erstellt und abgefragt. Vordefinierte Druckzusammenstellungen bilden dabei eine
Arbeitserleichterung. Weitere Druckzusammenstellungen können beispielweise Maßnahmenlisten,
Schadenslisten oder Fälllisten sein.

Teilfazit – Baumsicht

Vorteile

Die Vorteile des Baumkatasters 2 des Unternehmens Baumsicht liegen vor allen Dingen in der sehr günstigen Anschaffung, in dem einfach und übersichtlich gehaltenen Aufbau des Programms und in der sehr anwenderfreundlichen und praxisorientierten Bedienung. Selbst ohne vorherige Schulung kann sich der Anwender schnell in das Programm einarbeiten und ein Baumkataster erstellen. Die einfache Handhabung liegt vor allen Dingen an den wenigen Arbeitsfenstern, die für die Anlegung eines Baumkatasters genutzt werden müssen. Dabei reicht das Handbuch zu dem Programm aus, um Verständnisfragen zu klären. Durch die direkte Anbindung der FLL „Richtlinie zur Überprüfung der Verkehrssicherheit von Bäumen“ und der ZTV Baumpflege wird ein fachlich korrektes Baumkataster erstellt. Zudem besteht die Möglichkeit, das Baumkataster mithilfe eines Tablets direkt vor Ort zu erstellen.

Nachteile

Ein Nachteil des Baukatasters 2 ist die HTML basierte Druckzusammenstellung und die Datenabfrage. Hierfür bedarf es einige Grundkenntnisse in der Programmiersprache. Allerdings können mit Hilfe der bereits vordefinierten Druckzusammenstellungen schnell und einfach eigene Zusammenstellungen erstellt werden. Individuelle Druckzusammenstellungen können durch Copy and Paste der bereits vorhandenen Datensätze schnell und einfach erarbeitet werden. Ist das Grundprinzip der Programmierung verstanden ist es auch dem Laien möglich,
individuelle Abfragen und Druckzusammenstellungen zu erstellen. Ein weiterer Nachteil des Baumkatasters der Firma Baumsicht ist die manuelle Aufnahme der Gehölzdaten. Baumhöhe, Kronendurchmesser oder Stammumfang müssen mit einem Hilfsmittel ermittelt werden.

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Autoren: Verena Scheuer, Mark Ksionzek, Niklas Niggemann
Betreuer: Prof. Dr. Hans-Jürgen Geyer