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Asiatischer Laubholzbockkäfer – Informationen zum ALB

Der Asiatische Laubholzbockkäfer, Asian Longhorned Beetle, kurz ALB, wissenschaftlich Anoplophora glabripennis, ist der derzeit gefürchtetste Baumschädling. Der Käfer beziehungsweise dessen Larven oder Eier werden mit Verpackungsholz aus Asien, überwiegend aus China, eingeschleppt. Sie stellen sowohl eine ökologische als auch eine wirtschaftliche Bedrohung für unsere Gehölze dar. Ein Befall betrifft nicht nur die zuständigen Ämter und mit Bäumen arbeitende Personen, sondern die ganze Bevölkerung – alle potenziellen Wirtsbäume im Umkreis müssen gefällt werden, Bäume im Gebiet über Jahre hinweg genau beobachtet werden.

Titelbild: „Asian long-horned beetle – Kyle Ramirez“ von Kyletramirez – Kyle T. Ramirez – Photojournalist. Lizenziert unter CC BY 3.0 über Wikimedia Commons.

Eiablage

Zur Eiablage gräbt das Weibchen trichterförmige Gruben in die Rinde des Baumes. Während der Vegetationsperiode kommt es stellenweise zu Saftfluß, Wespen und Hornissen können dadurch angelockt werden. Die Larven schlüpfen, bohren sich mit einer schlitzförmigen Einbohrstelle, um die später die Rinde abplatzen kann, in den Holzkörper und fressen dort bis zur Verpuppung.

Larven

Die Larven sind cremeweiß, beinlos, etwa einen Zentimeter dick und fünf Zentimeter lang. Sie haben eine braune Zeichnung auf dem Halsschild. Die Larven und die Puppen entwickeln sich im Holz und verursachen eine Höhlung mit circa drei Zentimeter breiten ovale Gänge im Holz. Dadurch kann es zu abbrechenden Ästen, absterbenden Kronenteilen und zum kompletten Absterben des Baumes kommen. Der Käfer schlüpft in unserem Klima im zweiten Jahr, die Entwicklungsdauer kann sich bei wärmerer Witterung aber verkürzen (ein bis eineinhalb Jahre). Das Ausbohrloch ist kreisrund mit einem Durchmesser von bis zu eineinhalb Zentimetern. Unter den Löchern findet man am Stammfuß oder in Astgabeln Holzspäne.

Käfer

Nach dem Ausbohren aus dem Holz beginnen die Käfer mit dem Reifungsfraß an jungen Ästen und Trieben. Die Käfer sind ohne Fühler 1,5 bis 4 Zentimeter lang. Der Fühler besteht aus 11 Segmenten und ist 1,5 bis 2,5 mal so lang wie der Körper. Die Flügeldecken sind glatt und schwarz glänzend mit weißen Flecken. Der Laubholzbockkäfer verhält sich eher träge und mag lieber warme Witterung. Im englischen wird er deshalb auch 9-to-5 beetle genannt. Meist fliegen die Käfer nur wenige hundert Meter zum nächsten Wirtsbaum, um dort erneut Eier abzulegen. Jedoch können sie auch mehrere Etappen zurück legen oder an Verkehrswegen zum Beispiel durch Fahrzeuge weiter transportiert werden.

Bedrohung und Bekämpfung

Der ALB stellt für Laubbäume eine massive Bedrohung dar. Er befällt alle lebenden Laubgehölze, besonders Ahornarten (Acer), aber auch Weide (Salix), Birke (Betula), Kastanie (Aesculus) und Pappel (Populus). Seine weitere Ausbreitung muss gestoppt werden. Bei Befall werden alle Bäume im Umkreis gefällt, zudem wird eine Quarantänezone eingerichtet, in welcher die Gehölze einer besonderen Beobachtung unterliegen. Für das Monitoring werden u.a. Baumkletterer und Spürhunde eingesetzt. Befallenes Holz muss vor Ort gehäckselt und verbrannt werden, eine Lagerung und Nutzung als Brennholz ist wegen der Verbreitungsgefahr ausgeschlossen. Zwar besteht auch die Möglichkeit, vorsorglich ein Insektizid auszubringen, dies ist jedoch in Deutschland nicht erlaubt. Vorsorglich bedeutet, nur an noch nicht befallenen Bäumen. So geht man im Central Park in New York vor, um schützenwerte Bäume zu erhalten. In Laborversuchen hat sich allerdings gezeigt, dass die Käfer deutlich weiter fliegen, um unbehandelte Gehölze zu erreichen.

Privaten Baumbesitzern soll klar gemacht werden, dass nur durch eine Fällung die Verbreitung des Käfers und somit größerer Schaden abgewendet werden kann. Bei einem Befall würde der Baum sowieso absterben. Die Kosten für die Fällung kann und sollte von öffentlicher Seite übernommen werden. Zudem müssen Baumbesitzer Monitoring und Fällmaßnahmen auf ihrem Grundstück zulassen. Ebenso ist die Bevölkerung zum Melden von Verdachtsfällen und Beobachten der Bäume in betroffenen Gebieten angehalten. Wer beruflich mit Bäumen zu tun hat, ist im Übrigen verpflichtet, neue Schadorganismen zu melden.

Bei Befall oder Befallsverdacht ist umgehend die zuständige Behörde (Kontaktdaten) zu informieren. Käfer oder Larven sollten zunächst eingesammelt werden. Eine sofortige Tötung sollte nicht stattfinden, um einheimische ähnlich aussehende Käfer nicht zu gefährden.

Das JKI hat eine Leitlinie veröffentlich. Diese sollte von Baumpfleger, Baumkontrolleuren und allen anderen Personen, die mit Bäumen arbeiten, gelesen werden, um im Ernstfall vorbereitet zu sein. Zudem sollte man sich mit den Symptomen vertraut machen und falls möglich Anschauungsobjekte begutachten. Für Bürger und zur schnellen Übersicht bietet die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft Informationen an.

Verbreitung

Der ALB fühlt sich in allen Klimazonen wohl, in denen ähnliche Bedingungen wie in seiner Heimat herrschen. So sind Länder und Regionen wie Nordamerika, Italien, Frankreich, Niederlande, Schweiz, Österreich und Deutschland betroffen. In Deutschland wurde der Bockkäfer aktuell in einem Gebiet östlich von München festgestellt, zudem ist der ALB in Magdeburg aufgetreten. Die folgende Karte wird bei neuen Befallsorten aktualisiert.