Artikel Baumwissen

Baumpfleger finden

Dieser Beitrag wurde am 9. Februar 2015 veröffentlicht und ist möglicherweise nicht mehr aktuell.

Baumpfleger ist kein Ausbildungsberuf. Man kann sich die Kenntnisse und Fertigkeiten selber aneignen oder besucht entsprechende Kurse und Fortbildungen. Demnach kann sich jeder als Baumpfleger bezeichnen, egal ob er Ahnung davon hat oder Bäume verstümmelt. Oft wird deshalb auch vom Hausmeisterschnitt gesprochen. Aber wie findet man – gerade als privater Baumeigentümer – einen bzw. im Idealfall den perfekten Baumpfleger?

Firmen finden

Für die erste Recherche nach geeigneten Fachfirmen bietet sich natürlich das Internet an. Bei Google Maps können Sie im Suchfeld Baumpflege eingeben und sehen sofort auf der Karte Betriebe in Ihrer Nähe. Eine weitere Möglichkeit ist das Baumpflegeportal. Gegen Bezahlung können sich hier Firmen eintragen lassen. Neben einer Ortssuche gibt es auch die Möglichkeit, nach verschiedenen Tätigkeitsfeldern, Qualifikationen und Leistungsangeboten zu filtern.
Schauen Sie sich die Internetseite der Firma an. Eine aktuelle professionelle Seite mit Kontaktmöglichkeiten und Referenzbildern von gepflegten Bäumen vermittelt einen guten Eindruck. Kostenlose Beratung sollte selbstverständlich sein.
Viele Firmen arbeiten mit Subunternehmern, um bei großen und kleinen Projekten die passenden Kräfte zu haben. Ein festes und gut eingespieltes Team schafft jedoch Vertrauen.

Qualifikation

Die Qualifikation ist schon mal ein wichtiger Orientierungspunkt für die Suche. Sie sagt natürlich nicht unbedingt was über die Qualität aus, aber umgekehrt kann auch ein Baumpfleger nur aufgrund seiner zwanzigjährigen Berufserfahrung ausreichend qualifiziert sein. Durch Kurse und Fortbildungen gibt es mehrere Möglichkeiten Baumpfleger zu werden.

  • European Tree Worker (ETW)
    Europaweit anerkannter Abschluss, der jeweils für drei Jahre zertifiziert wird und sich danach durch Nachweis von Arbeit in der Baumpflege verlängert. Die Ausbildung dauert vier bis sechs Wochen.
  • European Tree Technician (ETT)
    Baut in einem zweiwöchigen Lehrgang auf dem ETW auf und befähigt zu einer fundierten Baumbeurteilung, Begutachtung, Wertermittlung, Baumschutz usw.
  • Fachagrarwirt Baumpflege und Baumsanierung (FAW)
    Abgeschlossene Ausbildung und Berufserfahrung in einem grünen Beruf wie z.B. Gärtner oder Forstwirt. Vier bis fünfwöchige Ausbildung, deren Abschluss dem ETT ähnelt.
  • Bachelor Arboristik
    Dreijähriges Studium das alle Bereiche rund um den Baum abdeckt (Recht, Bodenkunde, Sachverständigenwesen usw.)
  • SKT
    Kurse in der Seilklettertechnik, kurz SKT, vermitteln das notwendige Wissen, um sicher auf Bäume zu klettern. Die Kurse beinhalten jedoch keine Baumpflegeausbildung.

Fachverbände

Auch eine Reihe von Fachverbänden bietet Zertifizierungsmöglichkeiten für seine Mitglieder an. So gibt es zum Beispiel den Fachverband geprüfter Baumpfleger oder die RAL Baumpflege. Eine einheitliche Lösung existiert aber leider nicht, zudem sind die Ziele der Verbände nicht immer eindeutig definiert.

ZTV Baumpflege

Welche Maßnahmen an einem Baum durchgeführt werden können, ist in der ZTV Baumpflege (Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für Baumpflege 2006, Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V. (FLL), Bonn) festgelegt. Dieses Regelwerk erklärt Begriffe wie Kronenpflege und ermöglicht ein einheitliches Vokabular unter Baumpflegern.

Baumkontrolle

Bevor  an einem Baum Pflegemaßnahmen durchgeführt werden, wird dieser kontrolliert. Bei der Baumkontrolle wird beurteilt, ob überhaupt Maßnahmen notwendig sind und falls ja, welche und in welchem Umfang. Die Baumkontrolle kostet nur einen Bruchteil einer Baumpflege. Durch eine fachlich unzureichende Kontrolle (zum Beispiel aufgrund von Unsicherheit/Angst des Kontrolleurs) können aber hohe Folgekosten entstehen. Die Baumkontrolle sollte idealerweise von einer Firma ausgeführt werden, die keine wirtschaftlichen Interessen an der anschließenden Pflege des Baumes hat.

Mehr unter Angebote.

Baumpflege

Bei einem gut gepflegten Baum erkennt man nicht sofort, dass dieser überhaupt geschnitten wurde. Bei der Baumpflege werden auf Biologie und Erscheinung des Baumes Rücksicht genommen. Auch der Natur- und Artenschutz werden beachtet. Taucht etwa bei der Ausführung ein Nest auf (das vorher nicht erkennbar war), werden die Maßnahmen sofort gestoppt. Der Zugang zum Baum erfolgt meist schonend mit Seilklettertechnik (SKT). So wird der empfindliche Wurzelraum vor Schäden durch große Maschinen geschützt und der Baumpfleger kann nahezu jeden Punkt im Baum erreichen. Baumpfleger müssen aus Sicherheitsgründen immer zu zweit im Baum unterwegs sein. Schnittmaßnahmen finden im Fein- und Schwachastbereich statt, auf die Entnahme von größeren Ästen wird wegen der entstehenden Wunden verzichtet.

Schadensersatz bei falschen Maßnahmen

Bei falsch durchgeführten Schnittmaßnahmen wie etwa einer Kappung, kann die ausführende Firma zur Zahlung eines Schadensersatzes belangt werden. So können Bäume und Baumeigentümer vor unseriösen Firmen geschützt werden. Bäume haben oft einen Wert von mehreren tausend Euro.

Um einen guten Baumpfleger zu finden sollte man auf qualifizierte und gut ausgebildete Firmen zurückgreifen – ein kleines bisschen Glück gehört aber zur Suche natürlich auch dazu.

Der Einfachheit halber wird im Text nur Baumpfleger geschrieben. Der Beruf ist glücklicherweise keine reine Männerdomäne, es gibt natürlich auch zahlreiche Baumpflegerinnen.

Titelbild: „Climber 3„. Licensed under CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons.