Brandkrustenpilz

Brandkrustenpilz

Der Brandkrustenpilz (Kretzschmaria deusta, syn. Hypoxylon deustum und Ustulina deusta) ist einer der gefürchtetsten holzzerstörenden Pilze. Durch sein unscheinbares Aussehen ist er meist nur von erfahrenen Baumkontrolleuren zu erkennen. Er tritt im unteren Bereich des Baumes an den Wurzelanläufen und am Stammfuß auf. Die unscheinbaren Fruchkörper sehen wie verbrannt aus, daher der Name. Sie fühlen sich etwa wie Holzkohle an und haben ein charakteristisches Knacken beim draufdrücken mit dem Finger. Der Pilz zersetzt Wurzel und (untere) Stammbereiche. Der Baum zeigt zunächst keinerlei Anzeichen von verminderter Vitalität, kann aber bei entsprechendem Befall ohne Vorwarnung umstürzen. Daher wird leider bei der Entdeckung von Brandkrustenpilz zu oft zur Fällung geraten. Das Holz wird spröde, wirkt also zwar fest, kann aber leicht brechen (Zwieback). Erst später entwickelt sich eine Fäule. Daher kann der Befall mit Brandkrustenpilz zunächst nicht mit bohrenden Verfahren (Resi, Resistograph) festgestellt werden. Es empfiehlt sich den Baum hinsichtlich der Ausbreitung des Pilzes halbjährlich zu kontrollieren. Ist ein großer Teil des Stammquerschnittes befallen und hat sich bereits eine senkundäre Fäule gebildet, bleibt leider nur die Fällung.

Der Brandkrustenpilz gehört zur Abteilung der Schlauchpilze (Askomyzeten). Den Namen Schlauchpilz erhält diese Pilzart aufgrund ihrer charakteristischen Fortpflanzungsstrukturen, den schlauchförmigen Asci.
Für uns Menschen hat diese Art Pilz mehrere Bedeutungen. Viele Hefe- und Schimmelpilze, aber auch Speisepilze wie Morcheln und Trüffel sowie das Penicillium chrysogenum, das in der modernen Medizin die Behandlung bakterieller Infektionskrankheiten durch die Entwicklung des Antibiotikums Penicillin revolutionierte gehören zu den Askomyzeten.

Im Frühsommer entstehen die hellen, relativ gut sichtbaren Zuwachszonen der Nebenfruchtform. Die typisch schwarzen, krustenartigen Fruchtkörper der Hauptfruchtform werden im Laufe des Sommers im Stammanlaufbereich sowie am Stammfuß, in Fäulen, Höhlungen und an alten Wurzelstöcken gebildet. Nach der Entlassung der Sporen kann man die übrig gebliebenen schwarzen Krusten an einem deutlichen Knackgeräusch beim Brechen erkennen.

In der Baumpflege und der Forstwirtschaft ist der Brandkrustenpilz ein recht häufig anzutreffender Weggefährte. Als Teil des Buchenwald-Ökosystems ist er als Saprophyt am Abbau alter Buchenstubben beteiligt, kann aber auch primär werden und gesunde Bäume infizieren. Er verursacht eine schwer zu diagnostizierende Moderfäule mit Übergang zu simultaner Weißfäule im Stammfußbereich (z.B. zwischen Wurzelanläufen) und tritt an zahlreichen Laubgehölzen, gerne an Buche und Linde auf.

Infiziert werden die Bäume durch Wurzelverletzungen, Befahrungsschäden sowie Rinden- und Anfahrschäden. Auch wird vermutet, dass der Pilz über die Wurzeln infizierter Bäume auf die Wurzeln noch nicht befallener Nachbarbäume übergreifen und diese infizieren kann. In Folge des Befalls kommt es in der Regel zu einer vom Zentrum ausgehenden Fäule, die sich lange Zeit nicht auf die Vitalität (beurteilt nach Laubaustrieb, Zuwachs, geschlossenem Kronenmantel, Totholzbildung, Reaktionsvermögen und Überwallung sowie anderer Faktoren) der befallenen Bäume auswirkt. Erst bei fortgeschrittenem Befall kommt es zum Sterben von Splint- und Kambialbereichen und zu einer Minderung der Vitalität. Dies und die sehr geringe Größe der Fruchtkörper (oft nur wenige Quadratzentimeter) erschweren eine Identifikation des Brandkrustenpilzes, gerade für Laien.

Im Holzkörper kommt es durch den Pilz zur Bildung zahlreicher schwarzer Demarkationslinien, mit deren Hilfe sich die Myzelien des Pilzes voneinander abgrenzen und die auch dem Erhalt von Feuchtezonen zum Holzabbau dienen. Wie oben bereits erwähnt kommt es im Baum zu einer Moderfäule mit Übergang zu simultaner Weißfäule. Es kommt im Holz zu einem starken Zelluloseabbau, bei welchem die Mittelschicht der Zellwände stehen bleibt und das Holz somit weiterhin noch recht fest und widerstandsfähig erscheint, obwohl es bereits zu einem drastischen Verlust an Festigkeit gekommen ist. Um die Befallszone herum entsteht meist eine kleine, wenige Zentimeter breite Reaktionszone des Baumes. Infolge des Zelluloseabbaus und des damit einhergehenden Festigkeitsverlusts des Holzes kann es ohne Vorwarnung zum Versagen der befallenen Bäume und somit zum Umstürzen bzw. Abbrechen dieser kommen. Wie bei anderen Moderfäule-Erregern kommt es zu einem typischen spröden Bruchbild.

An Buche kann der Brandkrustenpilz die Zellwände im Bereich der breiten Holzstrahlen nicht so gut angreifen wie die übrigen Holzzellen. Daher können Buchen noch längere Zeit stand- bzw. bruchsicher sein, während die Fäule an Linden sehr rasch fortschreiten kann und Kretzschmaria deusta somit an dieser Baumart als deutlich gefährlicher einzuschätzen ist. Aufgrund seines unauffälligen Erscheinungsbildes wurde der Brandkrustenpilz lange Zeit unterschätzt und die Verkehrssicherheit des Baumes wurde vollkommen falsch eingeschätzt.